
Ich hatte die Ehre und das Vergnügen am Dienstag, den 25.2. die männliche U-16-Handballmannschaft zum Bezirksfinale von Jugend trainiert für Olympia zu begleiten.
Besonders wohl habe ich mich damit zunächst nicht gefühlt. Ich verstehe nämlich überhaupt nichts von Handball. Und Stephan, der Handball-Coach, der mir als fachkundige Begleitung versprochen worden war, musste krankheitsbedingt am Tag vorher absagen. Auch die Mannschaft hatte aufgrund der Grippewelle Ausfälle zu verzeichnen.
Aber immerhin waren 11 Spieler am Start, als wir nach Neumünster in die Alexander-von-Humboldt-Schule aufbrachen. Während der Fahrt machte ich den Jungs klar, dass sie von mir keine fachliche Unterstützung erwarten konnten. Mir erschien bis dato das „Gerangel“ beim Handball immer sehr körperlich und der Unterschied zwischen intensivem aber regelkonformem Einsatz und Foulspiel war für mich oft nicht auszumachen. Die Mannschaft schien meinen Hinweis, dass sie auf sich allein gestellt sei, erstmal recht gelassen aufzunehmen, was mir allerdings kein großes Vertrauen einflößte. Vielleicht dachten die Jungs da noch, dass ich meine Unkenntnis übertreiben würde.
Als wir als letzte Mannschaft am Austragungsort eintrafen und die Mannschaft sogleich in der Umkleide verschwunden war, erfuhr ich beim Betreten der Sporthalle als erstes, dass eine Mannschaft wegen Grippe gar nicht erst angereist war und die Mannschaft der Gastgeber so dezimiert war, dass diese mit Mädchen aufgefüllt werden musste. Da eine gemischte Mannschaft nicht offiziell am Turnier teilnehmen konnte, mussten wir letztlich nur noch gegen eine gegnerische Mannschaft aus Brunsbüttel um den Titel der Bezirksmeisterschaft antreten.
Es wurde entschieden, dass die zunächst die gemischte Heimmannschaft außer Konkurrenz, sozusagen zum Warmspielen, nacheinander gegen beide Titelaspiranten antreten sollte. Etwas überraschend gewann die gemischte Auswahl aus Neumünster gegen die Brunsbüttler.
Nun waren wir an der Reihe. Ich war gespannt, wie die Mannschaft ohne Coach der Aufgabe gewachsen sein würde. Und sie beeindruckte mich praktisch von Beginn an. Einerseits hatten die Jungs sich gut abgesprochen über Aufstellung und Taktik. Andererseits gelangen den gegnerischen Angreifer:innen viel zu leichte Durchbrüche am Kreis und wir lagen zeitweise zurück. Bei den selbständigen Auswechselungen wurden immer wieder Flüche ausgestoßen, die Mannschaft war mit der eigenen Leistung gar nicht zufrieden. Immer wieder wurden auch einzelne Spieler angewiesen, die Gegner:innen entschiedener zu decken oder sie konsequenter zu übergeben und zu übernehmen. Am Ende reichte es für uns zu einem knappen Sieg, der für das Turnier folgenlos aber – trotz aller kritischen Reflexion innerhalb des Teams – sicher gut für das Selbstvertrauen war.
Im zweiten und entscheidenden Spiel gelang insbesondere die Abwehr der gegnerischen Angriffe so viel besser, dass bereits relativ früh ein komfortabler Vorsprung herausgearbeitet war. Diesen gab das Team bis zum Schluss auch nicht mehr aus der Hand (s. Abbildung oben), obwohl die gegnerische Mannschaft mit ziemlicher Härte hinten wie vorne agierte.
Am Ende war die Mannschaft verdientermaßen Bezirksmeister und hatte sich damit für das kommende Landesfinale qualifiziert. Herzlichen Glückwunsch!
Aber für mich, der ich auch nach diesem Erlebnis nicht das Gefühl habe, den Sport Handball so richtig zu durchschauen, war das Beste an diesem Tag, diese Mannschaft aus 11 Jungs dabei zu beobachten, wie sie selbständig aufgewärmt und umsichtig vor dem Spiel die Aufstellung und die Taktik geplant haben, wie sie sich angefeuert haben, sich kritisiert haben, teilweise mit deutlichen Worten, aber zugewandtem und verbindlichem Ton. Alle haben sich und den Wettkampf ernst genommen. Jeder hat seinen Platz im Team gesucht und akzeptiert. Sie haben sich gegenseitig motiviert. Das war eine starke Teamleistung und es hat unglaublich Spaß gemacht, dabei zuzuschauen.
Schade, dass ich so wenig vom Handball verstehe. Ich würde sonst gerne wieder mitfahren.
Bö