Wolfgang-Borchert-Gymnasium Halstenbek

„Lieber Wolfgang, wir gratulieren Dir zu Deinem 100. Geburtstag mit einem ganz besonderen Gruß aus unserer Schule, die Deinen Namen trägt. Wir denken an Dich!“



VIDEO-KETTE BORCHERT 100

Liebe Schulgemeinschaft!

Am 20. Mai wäre der Schriftsteller und Schauspieler und unser Namensgeber Wolfgang Borchert (1921-1947) 100 Jahre alt geworden.
Und unsere Schule darf Borcherts Namen nun schon seit fast 40 Jahren tragen. Infolge der ersten Aufführung der Theater AG mit Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ 1981 und der intensiven Auseinandersetzung mit dem Dichter und seinen Aussagen wurde der Schulname im Mai 1982 gewählt.
Aus diesem Anlass haben wir mit vielen engagierten Schüler*innen, Lehrer*innen, Schul-Team, Ehemaligen, Wo-Bo-Begeisterten unserer Schulgemeinschaft eine Video-Kette gestaltet unter dem Motto «Lieblingswörter» (& persönliche Grüße an Wolfgang)“.

Ein großer Dank geht dabei an alle, die uns ihr Video zur Verfügung gestellt haben und natürlich an die Initiatoren und Unterstützer dieser Aktion: der Wo-Bo-Video- & Foto-AG, der wo-bo-theater-ag, Wo-Bo-Schülervertretung, unserer Deutsch-Fachschaft und unserer Schulleitung.

Außerdem werden aufmerksame Besucher*innen unserer Schule unsere Geburtstagsbanner bemerken, gestaltet und digital bearbeitet von Schüler*innen des Kunstprofils (Ky) und der Video- & Foto-AG (Ko).





PopArt meets Borchert von Loretta K. (Q2), Nele K. (Q1), Jonas P. (E), Felix C. (9)

Parallel zum Erscheinen unserer Video-Kette veranstaltet die Stadt Hamburg und die Internationale Wolfgang Borchert Gesellschaft im Mai 2021 ein Festival mit mehr als 30 Veranstaltungen – vom weltbekannten Drama «Draußen vor der Tür» bis hin zu seinen Erzählungen und Gedichten.

Link: Hamburg liest Borchert

Link: NDR-Feature zum 100. Geburtstag von Wolfgang Borchert

Wolfgang Borchert war ein Idealist, der einfach nur leben und träumen wollte, er wurde mit den Erfahrungen des Naziregimes und des Krieges ein Pazifist, ein Kämpfer und blieb doch ein Träumer, ein junger Mann mit großen Ideen und einem unendlicher Hoffnung auf eine gute Zukunft.

„Ein Mann kommt nach Deutschland. Er war lange weg, der Mann. Sehr lange. Vielleicht zu lange. Und er kommt ganz anders wieder, als er wegging. Einer von denen, die nach Hause kommen und die dann doch nicht nach Hause kommen, weil für sie kein Zuhause mehr da ist. Und ihr Zuhause ist dann draußen vor der Tür.“

So beginnt eines der berühmtesten Hörspiele in deutscher Sprache, „Draußen vor der Tür“, uraufgeführt im Nordwestdeutschen Rundfunk am 13. Februar 1947. Sein Autor ist Wolfgang Borchert.

Link: Hörspiel „Draußen vor der Tür“ (Version des BR, 1948)

Wolfgang hat er den Irrsinn des Zweiten Weltkriegs als junger Mensch, als Soldat an der Ostfront hautnah miterlebt und wurde krank: körperlich und seelisch. Diese Generation junger Menschen hatte das Vertrauen ins Leben in dieser Zeit verloren.

Er wurde mit seinen Texten zum Sprachrohr einer ganzen Generation – seiner Generation. Und gerade diese jungen Menschen, konnten sich mit ihm identifizieren. Da war endlich jemand, der das aussprach, was sie erlebt haben.

Für unsere Schüler*innen ist Wolfgang Borchert daher oft nicht ganz so einfach zu verstehen. Immer wieder fragt man sich: „Wie kann ein so junger Mensch solche Wörter benutzen?“

Zwölf Jahre lang (1933-1945) bestand die offizielle deutsche Sprache aus einer Mischung zwischen militärischem Drohgebelle und schwülstiger, völkischer Begrifflichkeit. Wolfgang Borchert merkt recht schnell, dass viele Wörter durch die Nazis verboten werden oder später – nach dem Krieg – nicht mehr so einfach benutzt werden können. Wörter wie Blut oder Boden oder Mutter oder Volk und dergleichen. Die Nazis haben unsere Sprache auch entwertet und entleert oder ursprünglich schöne Bedeutungen vergiftet. Borchert musste dieses Erfahrungen aufarbeiten und hat eine andere Sprache benutzt, sie neu entwickelt, sie fast erlebbar macht.

Link: Borchert-Bot „Borchert-Wörter-Gedichte-Generator“

Oft wirken die kurzen Sätze wie eine Diagnose oder wiederholende Schläge oder teilweise fast wie Comicsprache. Es gibt kaum einen deutschsprachigen Schriftsteller, dessen Knappheit dermaßen unter die Haut geht wie die feststellende Sprache Wolfgang Borcherts. Sein Text „Generation ohne Abschied“ ist dafür ein eindringliches Beispiel:

„Wir sind die Generation ohne Bindung und ohne Tiefe. Unsere Tiefe ist Abgrund. Wir sind die Generation ohne Glück, ohne Heimat und ohne Abschied. Unsere Sonne ist schmal, unsere Liebe grausam und unsere Jugend ist ohne Jugend.“


Generation (BB 20216):

Wolfgang Borchert schreibt in seinem nachgelassenen Manifest:

„Wir brauchen keine Dichter mit guter Grammatik. Zu guter Grammatik fehlt uns die Geduld. Wir brauchen die mit dem heißen heiser geschluchzten Gefühl. Für Semikolons haben wir keine Zeit. Denn wir sind Neinsager. Denn wir sagen nicht nein aus Verzweiflung. Unser Nein ist Protest. Unser Manifest ist die Liebe.“

Link: Borchert-Box „Dissonanzen“ (Dauerausstellung)

Die Universitätsbibliothek Hamburg zeigt eine neue Dauerausstellung, die den Nachlass des Autors, sein Leben und sein Arbeitszimmer öffentlich und interaktiv-digital zugänglich macht.
Die „Borchert-Box“ ist ein Glaskasten mit zwei Räumen, in denen die neue Ausstellung „Dissonanzen. Wolfgang Borchert (1921-1947)“ Platz findet.

Andreas Kroder, (20. Mai 2021)